Aktuelle Zeit: 22.04.2026, 20:21
Letztlich ist es mir relativ egal, ob ich in Euro oder ECU oder EU-Dollar / EU-Pfund usw. zahle oder mein Geld bekomme. Einzelbeispiele zur Inflation bei der Euro-Umstellung sind aber wenig hilfreich. Natürlich haben damals viele die Chance genutzt, Preise bei der Umstellung zu erhöhen. Aber was ist denn mit den Lebensmittelpreisen in den letzten Jahren ohne Währungsumstellung passiert? Dagegen war die Euro-Einführung doch eher moderat. Gestern bei der Tankstellenpreiserhöhungsreform schlugen einige wohl 23 Cents drauf. Schokolade, Vanille und einige andere Sachen heben ab. Im Urlaub sah ich in einem gut sortierten und mehrfach ausgezeichneten Edeka-Supermarkt Spargel für 30 Euro pro Kilo und der war nicht einmal mehr frisch. Bei mir vor der Haustür (Spargelregion an der NL-Grenze) bekomme ich den ersten in Superqualität und Frische für 13-16 Euro, den krummen sogar für 8,90 Euro. Schmeckt nicht schlechter als die Klasse I, ist eben nur krumm, teils farbig, und in verschiedenen Dicken. Am Problem Mietpreisexplosion dürfte der Euro auch nicht schuld sein. Also haben wir nach fast 25 Jahren Euro eine in manchen Bereichen sehr hohe Inflation, in anderen Bereichen sind Krisen ausschlaggebend. Die Spritpreise zwischen 2000 und 2010 stiegen um gut 50%, im Jahrzehnt darauf fielen sie nicht unerheblich. 2022 waren wir dann bekanntermaßen über 2 Euro/Liter, wie eben auch jetzt wieder. Die einzelnen Regierungen haben es doch längst nicht mehr im Griff, was von außen einwirkt: Corona, Angriff auf die Ukraine, Containerschiff hängt im Suez-Kanal, Trumps Zollphantasien, Angriff auf Iran, Sperrung der Straße von Hormus.
Bis vor einigen Jahren gab es von der Stiftung Warentest noch regelmäßig Vergleiche von Hauskauf und Mieten. Wer keinen Kredit aufnahm und sein Eigenkapital über Jahre bei der Bank arbeiten ließ, kam mit der Miete besser weg als der Immobilienkäufer. Und heute heißt es, dass der Normal-Mieter kein Haus mehr kaufen kann, weil es zu teuer ist. Umziehen kann er auch nicht, weil er keine neue Wohnung findet und deshalb in der zu kleinen oder zu großen Wohnung (solange bezahlbar) bleiben muss. Welche Schuld trägt daran die Währung? Und die Inflation stellt sich für jeden anders dar. Wer im ländlichen Raum in der eigenen Immobilie wohnt und nicht gerade ein supertolles Auto fährt, kann bedeutend billiger über die Runden kommen als ein Mieter in der Stadt (etwa München), wo sich Beamte aus dem unteren bis mittleren Bereich teilweise keine Wohnung mehr leisten können. Gestern wurde das mittlere Jahreseinkommen mit gut 54.000 Euro angegeben, im Osten aber auch ca. 10.000 Euro darunter. Nach Abzug von Sozialabgaben und Steuern bleibt bei einer hohen Miete und womöglich teuren Fahrkosten natürlich wenig übrig. Bei zwei Verdienern evtl. mit Ehegattensplitting (am besten DINCs: double income, no kids) wird es besser, für Alleinerziehende ist das Finanzchaos absehbar.
Die Kaufkraft der Rente bleibt erst einmal an die Lohnsteigerungen gebunden, sodass ein Kaufkraftverlust nur in kleineren Schritten erfolgt. Hier sehe ich das Problem der Staatsausgaben, momentan so um die 120 Mrd. (?). Was in den Sozialsektor fließt, kann nicht noch einmal investiert werden. Fällt die Kaufkraft der Rentner, steigen die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen direkt.
Gold geht gerade wieder ca. 3% und Silber 5-6% in den Keller. Es tanzen nicht nur die Benzinpreise oder der Preis für den Likör in der Kneipe. Waren früher Sprünge bei Gold von 50 Euro am Tag ein Highlight oder Einbruch, so sind 3-5% heute schon normal. Bei einem Spot um die 4000 Euro / oz lässt sich das für diejeningen, die früh investiert haben, mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen und aussitzen. Der gegenwärtige Goldkäufer sieht allerdings, wie von einem Tag zu anderen oder in einer Woche auch mal schnell 300-500 Euro von seinem Unzenkauf verschwinden.
Von Speditionen und mobilen Vertretern und Pendlern mit langen Strecken mal abgesehen, wird manches auch zu schnell dramatisiert. Ich bin in der letzen Woche 1400 km gefahren, Verbrauch 6 l E10 macht ca. 85 Liter Sprit. Vorher habe ich ca. 1,70 bezahlt, im Urlaub für 1,95 und 1,97 getankt. Rechne ich die 85 l mal 30 Cents, so habe ich Mehrkosten von gut 25 Euro für die Urlaubszeit, 450 km hin, 450 km zurück, vor Ort 500 km. Urlaubs-Bahnticket habe ich für einen Trip nach Karlsruhe genutzt. Für die 25 Euro Mehrkosten kann ich kaum einmal ins Restaurant essen gehen mit Getränk und Trinkgeld, wenn ich es nicht bei Currywurst mit Pommes belassen will. Inzwischen sind die Spritpreise wieder höher, aber wer 1000-1500 km im Monat fährt, musste bis jetzt nicht unbedingt den Aufstand proben und gleich nach staatlicher Regulierung schreien. Bestimmte Vielfahrer habe ich oben ausgenommen. Ich muss also nicht die ganze Nation mit einem Nachlass beglücken, insbesondere die nicht, die es wie ich nicht brauchen (unter 10.000 km im Jahr).
@ Edelmetall47
Darum hatte ich den Osten ausgenommen, weil bei euch eben nicht 1:1 getauscht wurde. Andererseits hast du für etwas "Wertloses" eine harte Währung bekommen
