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Was ist ein gerechter Lohn?

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Nappo
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon Nappo » 14.04.2020, 12:22

Wisst Ihr, was ich mir als (Ex-) Arbeitnehmer gewünscht hätte? Einen Arbeitsplatz an den ich gerne gefahren wäre. Ein Arbeitsplatz, an dem ich Spaß an guter Leistung hätte entwickeln können, weil nette Kollegen und ein zugewandter Chef die Basis bildeten.

In meiner Lehre (80er Jahre) war ich sicher noch ein Flappmann. Aber es war mir doch wurscht egal, ob ich 600 DM oder 700 DM Lehrgeld erhielt. Meinen alten Audi konnte ich tanken. Mutti machte Essen. Miete brauchte ich keine zu zahlen. Ich habe das doch nicht geschmissen, weil ich nichts hätte werden wollen! Sondern, weil ich in der Mittagspause für die Arbeiter beim Metzger in der Schlange stehen musste um ihnen die Fleischwurst zu bringen. Weil ich bei Fehlern im Keller archivierte Zeitungen sortieren musste und weil ich trotz Heuschnupfen eben diese als Ersatz für einen ausgefallenen Zusteller auszuteilen hatte, obwohl ich hinterher mit verquollenem Gesicht und kaum Luft bekommend völlig apathisch da saß. Das alles war dann Bestandteil der Ausbildung zum Bürokaufmann. Lehrjahre sind ja keine Herrenjahre! Da muss man sich halt auch mal vom cholerischen Chef anbrüllen lassen, dass man als 16-jähriger heulend nach Hause fährt. Und dann gilt man als Abbrecher als fauler Lumpi.

Was macht denn die Leute krank? Die Umgebung. Später, wollte ich immer Leistung erbringen! Habe mich immer eingebracht. Die Leute werden in unserem Land ausgebremst und eben nicht gefördert.

Ich habe in einer Papierfabrik mal gekündigt - da wohnte ich immernoch zu Hause - nicht, weil man da gutes Geld hätte verdienen können, sondern weil das Asbest des Papiers sichtbar durch die Luft flog. Ich krepiere doch später nicht am Krebs, so wie mein Vater, um gute 2.000 DM zu verdienen?

Also machte ich mich früh selbständig. Das funktionierte schon besser, denn ich habe schnell bemerkt: Die allermeisten Chefs sind nicht Chef, weil sie mehr drauf haben...Also, kann ich auch Entscheidungen alleine treffen.

Später war ich mal in einem Autohaus. Die Lehrlinge hatten regelrecht Angst vor dem Chef. Verschiedene Angestellte landeten beim Psychiater. Selbst als Verkäufer hast Du Dich nicht getraut, eine Entscheidung selbst zu treffen. Nach dem zweiten cholerischen Anfall meines Chefs, war dieser sehr überrascht: Ich kann nämlich genauso laut werden und genauso intensiv. Als er meine Kündigung bekam, machten sie alle ein langes Gesicht. Warum sich nicht vorher mal vernünftig verhalten?

Das Geld war immer o.k. Große Ansprüche habe ich keine gestellt. Ich wollte immer meine Arbeit gut machen. Natürlich kenne ich meine Defizite. Ich bin manchmal etwas schusselig. Bin manchmal etwas in Gedanken... Viele haben mir schlicht immer zum Vorwurf gemacht, dass ich so bin wie ich bin. Komisch nur, dass mein nächster Anlauf in die Selbständigkeit aus Null heraus wieder erfolgreich war. Das ist nun aktuell der Fall.

Ich bin Befürworter einer Leistungsgesellschaft. Ich mag es, vor Probleme gestellt zu werden, die es zu lösen gilt. Die allermeisten Unternehmer können aber das nicht, was sie können müssten. Dafür gibt es sogar Coachings: Wo sind die Stärken meiner Angestellten? Wo setze ich sie am besten ein? Sitzen sie am richtigen Platz? Haben Sie Potenziale? Und wenn ja, wo liegen sie?

Sie sind bloße Befehlsverteiler, um den Gewinn zu maximieren. Das ein Unternehmen von der Rendite lebt, weiß ich auch. Und das weiß auch jeder Angestellte. Nur sind sie kein doofes Vieh, dass man herum schubsen kann/sollte.

Und weil ich nie einen Arbeitsplatz fand, auf den ich gerne fuhr, habe ich mich selbständig gemacht. Geld war erst einmal tatsächlich zweitrangig. Und was habe ich mir alles anhören müssen! Da kündigt er schon wieder! Was glaubt er wer er ist?

Kommen wir zur angemessenen Bezahlung: Das ist ein weites Feld. Natürlich ist ein Mindestlohn von 9,38 € brutto (!) zu niedrig. Natürlich will ein Angestellter immer gerne etwas mehr. Aber viele haben auch Verständnis für die betriebliche Situation. Besonders bei kleinen Betrieben.

Hier darf man aber auch den Arbeitgeber nicht vergessen! Er zahlt ja nicht nur das Netto, an dem der Arbeitnehmer sein Salär misst. Er zahlt mehr als das Doppelte! Er muss also ganz anders kalkulieren, befindet sich also immer im Diskurs mit dem Angestellten, obwohl Vater Staat der Verursacher der Misere ist.

Wer rechnet denn noch aus, was er in die gesetzl Rentenversicherung einzahlte analog zu dem was er bekommt?
Was bekommt denn ein gesetzlich krankenversicherter der insg. 15% seines Einkommens an diese abdrückt, um sich vom Facharzt blöd anmachen zu lassen?

Hinzu kommet ALG-Vers, Pfelgevers. BG-Beiträge des AG und vieles mehr. Und nach Corona wird das noch Lustiger....

Ja, wir brauchen verschiedentlich andere und höhere Löhne. Wir brauchen aber auch eine Entlastung der ordentlich arbeitenden Arbeitgeber! Immer neue Hürden. Immer neues Abverlangen. Dieser Staat kassiert bei den Leistungsträgern und verteilt an die "anderen". In einem Sozialstaat ist das auch o.k., aber ab einem gewissen Maß hat das mit Sozialstaatlichkeit gar nichts mehr zu tun!

In der Folge hofft der Staat, dass er von den Empfängern seiner Transferleistungen lobend erwähnt und wieder gewählt wird. Er dankt nicht den Leistungsträgern. Er beschimpft sie auch noch, weil sie nie genug bringen. So wird das nicht funktonieren. Und das sagt ja auch ein Dr Krall.

Und es kann auch nicht sein, dass der Staat Flexibilisierung verlangt, die Leute in die Städte jagt und dann nach eigenen Vorgaben die Probleme die er geschaffen hat, dem Markt überlässt. Daher kann es nicht sein, dass dann jemand mit einem guten Gehalt 50% dessen an Miete abdrückt. Er arbeitet um Wohnen zu dürfen?

Wer kann jetzt dafür etwas? Der Arbeitgeber? Streng genommen ist es nicht sein Problem. Der Arbeitnehmer weil er "zu wenig" bekommt? Oder eine fehlgeleitete Politik, die jahrelang den Ausbau der Infrastruktur vernachlässigt hat?

Unterm Strich ist es so, dass die allermeisten die ich treffe, gar nicht über ihren Lohn klagen. Sie sind bescheidener als man denkt. Sie klagen über die Verhältnisse an sich. Schlechte Arbeitsbedingungen. Betreuungsmöglichkeiten für Kinder? Wen interessiert das schon? Bei Männern schon gar nicht. Flexiblere Arbeitszeiten? Würde gehen, will keiner. Homeoffice würde oft gehen, will aber auch keiner, weil viele Chefs meinen, derjenige befände sich außerhalb seiner Kontrolle. Das ist der Hauptgrund. Also landen die Leute irgendwann wieder beim Therapeuten.

Und viele Unternehmer haben auch leider nicht begriffen, dass ihr Laden nicht da wäre, hätte er seine Leute nicht. Was wir brauchen sind gute Manager, die in der Lage sind gut und gewissenhaft zu delegieren und die allermeisten Angestellten als Partner anzusehen, die letztlich dazu dienen und auch verinnerlichen müssen, dass Chefs und Arbeitnehmer alle an einem Strang ziehen müssen und so ein Unternehmen erfolgreich wird in dem man gerne arbeitet.

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libelle
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon libelle » 14.04.2020, 15:18

Nappo, ich danke Dir für deine offenen Worte.

Und Du hast recht, dass einem die Arbeit auch schmecken muss, dass die Kollegen, der Chef und die Arbeitsbedingungen natürlich stimmen müssen.

Oft ist es ja leider auch noch so, dass gerade auf dem Niedriglohnsektor die Arbeitsbedingungen besonders bescheiden sind. Also nicht nur schlechte Bezahlung sondern auch noch schlechte Arbeitsbedingungen.

Unterm Strich kann ich mich über meine Kollegen und die Arbeitsbedingungen inkl. Lohn u. Gehalt in meinen 40 Arbeitsjahren nicht beschweren.

Über meine Chefs möchte ich mich hier jetzt mal nicht weiter auslassen. Ich habe solche und solche gehabt.

Ich sehe es aber auch wie Du, dass nicht nur an der Lohngerechtigkeit gearbeitet werden muss, sondern auch am Management.
Fehlende soziale Kompetenzen würde ich da am ehesten noch bemängeln.

Mit dem richtigen Management, würde das dann mit der Lohngerechtigkeit, wahrscheinlich auch besser laufen, denke ich.
Zwei Fliegen mit einer Klappe sozusagen. :wink:

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Germanier
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon Germanier » 14.04.2020, 15:55

Mal ein Wort zum bedingungslosen Grundeinkommen:

Da ich täglich beruflich auch mit Menschen zu tun habe, die sich mit Händen und Füßen gegen jegliche Erwerbstätigkeit wehren (O-Ton eines Teilnehmers: Wenn ich arbeiten muss, bekomme ich Schmerzen und Schmerz ist Folter und Folter ist in Deutschland verboten ...), hoffe ich, dass so ein GE nicht kommt und eine andere, bessere Regelung gefunden wird für diejenigen, die tatsächlich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. "Jeder nach seinen Wünschen und Bedürfnissen" - da hätten wir auch den Sozialismus/Kommunismus behalten können.

Der funktioniert aber mit der Spezies Mensch nicht!
Ein Bankraub ist stets das Werk von Amateuren. Wahre Profis gründen eine Bank.
B. Brecht
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Hobbyknipser
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon Hobbyknipser » 14.04.2020, 17:16

ja, und nun?
Man könnte ihn zur Arbeit prügeln - so lange, bis der Schmerz bei der Arbeit der Geringere ist... :twisted:

Solche Leute gibts halt immer und auch jetzt bekommen die ja Hartz ohne Gegenleistung.
Da würde sich überhaupt nix ändern. Nur diejenigen, die auch unter Schmerzen arbeiten, die würden dann tatsächlich auch mehr im Sackerl haben. Und nicht wie jetzt, wo der mit den Pseudoschmerzen genau soviel hat, wie einer der trotzdem irgendwo putzen geht.

Ich finde da nix sozialistisch, eher humanistisch smilie_06


Und noch zu den fiesen Chefs und den Arbeitsbedingungen - das finde ich neben dem Lohn auch einen sehr wichtigen Punkt und gerade auch dieser könnte sich mit dem Grundeinkommen ändern. Wenn der Chef ein cholerisches A*******h ist, dann fällt es mir mit dem Grundeinkommen im Rücken doch viel leichter, mich nach einer Alternative umzusehen. Und das merkt der Choleriker dann auch irgendwann....


H.

Panik95
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon Panik95 » 14.04.2020, 18:44

Der Staat ist fast bankrott,da wollen einige Grundeinkommen,woher soll das Geld kommen?
Ein Glas Gurken für 99 Cent,das geht nur wenn die Erntehelfer für Mindestlohn auf den Gurkenfliegern liegen.
10 Eier für 1,29€,erwartet da jemand Spitzenlohn auf der Hühnerfarm.
Deutschland lebt vom Export,verkaufen kann ich nur wenn ich billiger als andere produziere.
Wer nicht für Mindestlohn arbeiten will geht zum Sozialamt und beantragt Hartz 4.
Für freie Stellen im Niedriglohnsektor haben wir genug Kanonenfutter,z,b. Flüchtlinge.
Ändern könnte man das nur durch deutliche zweistellige Lohnsteigerungen für alle Berufstätigen.
Desweiteren einheitliche Steuern auf alle Einnahmen,Erhöhung der Mwst. um 1%.
Das bringt den Sozialkassen höhere Einnahmen und den Bürgern bessere Krankenversorgung und höhere Renten.
Das bedeutet höhere Preise für alle Güter,das will aber keiner.
So hat jeder seinen gerechten Lohn.

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00.43peter
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon 00.43peter » 14.04.2020, 19:18

Wenn man hier über gerechte Entlohnung diskutiert sollte man mit dem wichtigsten beginnen.
Freiheits und Grundrechte werden momentan mit Füßen getreten und alles steuert hin,zu einem totalitären System,das schon faschistoide Züge 2.0 trägt.
Meinungsfreiheit exestiert defacto kaum noch.
Aber es gibt sie noch,die jenigen die für diese Rechte eintreten und denen gehört meine volle Unterstützung.
Wer nicht bereit ist für Freiheit zu sterben,sollte dieses Wort aus seinem Wortschatz streichen.
...und falls einer fragt ob ich das wäre,dann ein ganz klares ,,Ja'',denn ich tat es schon einmal und ich weiß sehr gut was für Gefühle in einem vorgehen.
,,Freiheit für Julian Assange''

Aurargint
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon Aurargint » 14.04.2020, 21:11

00.43peter hat geschrieben:Wenn man hier über gerechte Entlohnung diskutiert sollte man mit dem wichtigsten beginnen.
Freiheits und Grundrechte werden momentan mit Füßen getreten und alles steuert hin,zu einem totalitären System,das schon faschistoide Züge 2.0 trägt.
Meinungsfreiheit exestiert defacto kaum noch.
Aber es gibt sie noch,die jenigen die für diese Rechte eintreten und denen gehört meine volle Unterstützung.
Wer nicht bereit ist für Freiheit zu sterben,sollte dieses Wort aus seinem Wortschatz streichen.
...und falls einer fragt ob ich das wäre,dann ein ganz klares ,,Ja'',denn ich tat es schon einmal und ich weiß sehr gut was für Gefühle in einem vorgehen.


Du bist schon einmal gestorben? :shock: smilie_08

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00.43peter
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon 00.43peter » 14.04.2020, 21:23

@auragint
...du solltest,dir das mit gesundem Hausverstand selbst beantworten können.
Aber als Hilfe,nicht zuwissen wie die Gegenseite handelt,beschert wohl jedem unwohle Gefühle,es sei denn,man ist abgebrüht(oder glaubt es zusein).
Jeder muß es mit seinem Gewissen vereinbaren.
Vielleicht fragen einmal deine Kinder oder Enkel,was hast du dagegen getan smilie_08
Ausserdem können nur Menschen so reden,die es ja immer gewusst haben,aber etwas zutun sich desen dann doch entziehen,lass mal die anderen machen...oder?
,,Freiheit für Julian Assange''

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Chinese
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon Chinese » 14.04.2020, 22:25

Einen gerechten Lohn gibt es im Prinzip nicht. Was ist schon gerecht auf der Welt und nach welchen Kriterien wird gemessen und verglichen. Das verhungernde Kind im Jemem, der arme Tagelöhner in Indien, der ausgebeutete Arbeiter in Deutschland, der gewiefte Wallstreetbanker in New York?

Letztendlich ist es „ man muss auch mal zufrieden sein“. Gerade in Deutschland verkennt mancher das er wohl selbst als „einfacher“ VW Malocher (noch) zu den 10% Privilegierten auf dieser Welt gehört.

Anscheint erkennen nur sehr wenig hier wohin die Reise geht. Wobei momentan nicht die Löhne zu niedrig sind in Deutschland, sondern der Nettoverdienst ist viel zu niedrig im Verhältnis zum Bruttolohn.

Von Nix kommt halt Nix. Nicht mal ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wenn ich die Lage richtig einschätze kommt wieder eine Zeit auf uns zu, wo man lieber ausgebeutet ( man könnte auch arbeiten schreiben) wird als von kräftig reduzierten Almosen des Staates seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wobei wir dann wieder bei der Frage sind, ist das gerecht und was ist der Vergleichsmaßstab um dies zubewerten.
»Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.« Albert Einstein

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Silbermann 1984
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Re: Was ist ein gerechter Lohn?

Beitragvon Silbermann 1984 » 15.04.2020, 14:45

Nappo hat geschrieben:Wisst Ihr, was ich mir als (Ex-) Arbeitnehmer gewünscht hätte? Einen Arbeitsplatz an den ich gerne gefahren wäre. Ein Arbeitsplatz, an dem ich Spaß an guter Leistung hätte entwickeln können, weil nette Kollegen und ein zugewandter Chef die Basis bildeten.

In meiner Lehre (80er Jahre) war ich sicher noch ein Flappmann. Aber es war mir doch wurscht egal, ob ich 600 DM oder 700 DM Lehrgeld erhielt. Meinen alten Audi konnte ich tanken. Mutti machte Essen. Miete brauchte ich keine zu zahlen. Ich habe das doch nicht geschmissen, weil ich nichts hätte werden wollen! Sondern, weil ich in der Mittagspause für die Arbeiter beim Metzger in der Schlange stehen musste um ihnen die Fleischwurst zu bringen. Weil ich bei Fehlern im Keller archivierte Zeitungen sortieren musste und weil ich trotz Heuschnupfen eben diese als Ersatz für einen ausgefallenen Zusteller auszuteilen hatte, obwohl ich hinterher mit verquollenem Gesicht und kaum Luft bekommend völlig apathisch da saß. Das alles war dann Bestandteil der Ausbildung zum Bürokaufmann. Lehrjahre sind ja keine Herrenjahre! Da muss man sich halt auch mal vom cholerischen Chef anbrüllen lassen, dass man als 16-jähriger heulend nach Hause fährt. Und dann gilt man als Abbrecher als fauler Lumpi.

Was macht denn die Leute krank? Die Umgebung. Später, wollte ich immer Leistung erbringen! Habe mich immer eingebracht. Die Leute werden in unserem Land ausgebremst und eben nicht gefördert.

Ich habe in einer Papierfabrik mal gekündigt - da wohnte ich immernoch zu Hause - nicht, weil man da gutes Geld hätte verdienen können, sondern weil das Asbest des Papiers sichtbar durch die Luft flog. Ich krepiere doch später nicht am Krebs, so wie mein Vater, um gute 2.000 DM zu verdienen?

Also machte ich mich früh selbständig. Das funktionierte schon besser, denn ich habe schnell bemerkt: Die allermeisten Chefs sind nicht Chef, weil sie mehr drauf haben...Also, kann ich auch Entscheidungen alleine treffen.

Später war ich mal in einem Autohaus. Die Lehrlinge hatten regelrecht Angst vor dem Chef. Verschiedene Angestellte landeten beim Psychiater. Selbst als Verkäufer hast Du Dich nicht getraut, eine Entscheidung selbst zu treffen. Nach dem zweiten cholerischen Anfall meines Chefs, war dieser sehr überrascht: Ich kann nämlich genauso laut werden und genauso intensiv. Als er meine Kündigung bekam, machten sie alle ein langes Gesicht. Warum sich nicht vorher mal vernünftig verhalten?

Das Geld war immer o.k. Große Ansprüche habe ich keine gestellt. Ich wollte immer meine Arbeit gut machen. Natürlich kenne ich meine Defizite. Ich bin manchmal etwas schusselig. Bin manchmal etwas in Gedanken... Viele haben mir schlicht immer zum Vorwurf gemacht, dass ich so bin wie ich bin. Komisch nur, dass mein nächster Anlauf in die Selbständigkeit aus Null heraus wieder erfolgreich war. Das ist nun aktuell der Fall.

Ich bin Befürworter einer Leistungsgesellschaft. Ich mag es, vor Probleme gestellt zu werden, die es zu lösen gilt. Die allermeisten Unternehmer können aber das nicht, was sie können müssten. Dafür gibt es sogar Coachings: Wo sind die Stärken meiner Angestellten? Wo setze ich sie am besten ein? Sitzen sie am richtigen Platz? Haben Sie Potenziale? Und wenn ja, wo liegen sie?

Sie sind bloße Befehlsverteiler, um den Gewinn zu maximieren. Das ein Unternehmen von der Rendite lebt, weiß ich auch. Und das weiß auch jeder Angestellte. Nur sind sie kein doofes Vieh, dass man herum schubsen kann/sollte.

Und weil ich nie einen Arbeitsplatz fand, auf den ich gerne fuhr, habe ich mich selbständig gemacht. Geld war erst einmal tatsächlich zweitrangig. Und was habe ich mir alles anhören müssen! Da kündigt er schon wieder! Was glaubt er wer er ist?

Kommen wir zur angemessenen Bezahlung: Das ist ein weites Feld. Natürlich ist ein Mindestlohn von 9,38 € brutto (!) zu niedrig. Natürlich will ein Angestellter immer gerne etwas mehr. Aber viele haben auch Verständnis für die betriebliche Situation. Besonders bei kleinen Betrieben.

Hier darf man aber auch den Arbeitgeber nicht vergessen! Er zahlt ja nicht nur das Netto, an dem der Arbeitnehmer sein Salär misst. Er zahlt mehr als das Doppelte! Er muss also ganz anders kalkulieren, befindet sich also immer im Diskurs mit dem Angestellten, obwohl Vater Staat der Verursacher der Misere ist.

Wer rechnet denn noch aus, was er in die gesetzl Rentenversicherung einzahlte analog zu dem was er bekommt?
Was bekommt denn ein gesetzlich krankenversicherter der insg. 15% seines Einkommens an diese abdrückt, um sich vom Facharzt blöd anmachen zu lassen?

Hinzu kommet ALG-Vers, Pfelgevers. BG-Beiträge des AG und vieles mehr. Und nach Corona wird das noch Lustiger....

Ja, wir brauchen verschiedentlich andere und höhere Löhne. Wir brauchen aber auch eine Entlastung der ordentlich arbeitenden Arbeitgeber! Immer neue Hürden. Immer neues Abverlangen. Dieser Staat kassiert bei den Leistungsträgern und verteilt an die "anderen". In einem Sozialstaat ist das auch o.k., aber ab einem gewissen Maß hat das mit Sozialstaatlichkeit gar nichts mehr zu tun!

In der Folge hofft der Staat, dass er von den Empfängern seiner Transferleistungen lobend erwähnt und wieder gewählt wird. Er dankt nicht den Leistungsträgern. Er beschimpft sie auch noch, weil sie nie genug bringen. So wird das nicht funktonieren. Und das sagt ja auch ein Dr Krall.

Und es kann auch nicht sein, dass der Staat Flexibilisierung verlangt, die Leute in die Städte jagt und dann nach eigenen Vorgaben die Probleme die er geschaffen hat, dem Markt überlässt. Daher kann es nicht sein, dass dann jemand mit einem guten Gehalt 50% dessen an Miete abdrückt. Er arbeitet um Wohnen zu dürfen?

Wer kann jetzt dafür etwas? Der Arbeitgeber? Streng genommen ist es nicht sein Problem. Der Arbeitnehmer weil er "zu wenig" bekommt? Oder eine fehlgeleitete Politik, die jahrelang den Ausbau der Infrastruktur vernachlässigt hat?

Unterm Strich ist es so, dass die allermeisten die ich treffe, gar nicht über ihren Lohn klagen. Sie sind bescheidener als man denkt. Sie klagen über die Verhältnisse an sich. Schlechte Arbeitsbedingungen. Betreuungsmöglichkeiten für Kinder? Wen interessiert das schon? Bei Männern schon gar nicht. Flexiblere Arbeitszeiten? Würde gehen, will keiner. Homeoffice würde oft gehen, will aber auch keiner, weil viele Chefs meinen, derjenige befände sich außerhalb seiner Kontrolle. Das ist der Hauptgrund. Also landen die Leute irgendwann wieder beim Therapeuten.

Und viele Unternehmer haben auch leider nicht begriffen, dass ihr Laden nicht da wäre, hätte er seine Leute nicht. Was wir brauchen sind gute Manager, die in der Lage sind gut und gewissenhaft zu delegieren und die allermeisten Angestellten als Partner anzusehen, die letztlich dazu dienen und auch verinnerlichen müssen, dass Chefs und Arbeitnehmer alle an einem Strang ziehen müssen und so ein Unternehmen erfolgreich wird in dem man gerne arbeitet.


smilie_14

Trifft es auf den Punkt ,besonders was du über die Lehrzeit geschrieben hast .

Ich könnte da auch einen ganzen Roman schreiben .

Bei mir waren damals zu 90% wenigstens die Kollegen nett und den Chef (den alten,der Junge war ganz umgänglich) hat man zum glück nur morgends und abends kurz gesehen ,da hat man sogar Samstags gerne mal gearbeitet .

So richtig gedankt wurde es einem im nachhinein aber trotzdem nie ,was war man Feuer und Flamme und hat auch einsatz gezeigt ,mitlerweile paar Firmen später ist da rein gar nichts mehr vorhanden ,man hat einfach keinen Bock mehr auf diese ganze Scheiße.

Zumal wenn man sich immer rumschubsen lässt und einmal dann was nicht mitmacht bekommt man sowieso wieder in den Arsch getreten .

z.b. Chef kauft für 1,2 Mio. ein Mehrfamilienhaus ,Geldanlage und kommt dann auf einen zu und meint man könne doch dies und das Samastags Schwarz für 10€ da mal machen ,schön auf der Leiter 8m hoch was streichen und so Späße ,nein beim besten Willi nicht,wenn man dann sagt das er sich da einen anderen Dummen suchen kann war es das wieder :wink: .

Da braucht es keinen wundern ,95% der Chefs die ich kennengelernt hab waren A....löcher vor dem Herren,die etwas auch mal Wertschätzen und vor allem mit einem Umgehen als wär man nicht immer der letzte Mensch auf Erden sowas ist ausgestorben.

Einer war ganz schlimm, der ist bei jedem kleinen Fehler immer ausgerastet ,dabei hat er selbst manchmal auch ganz schöne Böcke geschossen und was will man auch von einem Menschen erwarten der grade mal 3 Monate ausgelernt hat ,der muss immer noch einiges Lernen,nach dem Lernen geht das Lernen eigentlich erst richtig los besonders im Handwerk .

Das ging wirklich über Monate ,der Blödmann war auch immer den ganzen Tag mit auf Baustelle ,dazu noch Kollegen die sich gegenseitig in die Pfanne hauen um ja immer als bester da zu stehen .

Ich glaube wenn das damals noch lange so weiter gegangen wär hätte ich für nichts mehr garantieren können :shock: irgendwann hätte ich wohl das nächstbeste Kantholz genommen was in der Ecke stand .


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