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Lohnt sich Leistung in D nicht mehr?

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999.9
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Lohnt sich Leistung in D nicht mehr?

Beitragvon 999.9 » 11.12.2012, 08:11

Die Financial Times Deutschland postet heute auf ihrer Facebook-Seite:

Die Rheinische Post schreibt zum Opel-Aus in Bochum:

Es gibt ein unheimliches Band, das die Bochumer Opelaner mit einer wachsenden Zahl von Belegschaften in Deutschland verbindet: mit den 13.000 Schlecker-Mitarbeitern etwa, die ihren Job verloren haben. Oder mit den Redakteuren der Financial Times Deutschland, die am Freitag letztmalig erschienen ist. Oder mit den Belegschaften von ThyssenKrupp und Lufthansa, die sich im kommenden Jahr auf Kündigungen gefasst machen müssen. Was all diese gebeutelten Belegschaften verbindet: Die Qualität ihrer Arbeit steht außer Frage, ist teilweise sogar Weltspitze. Aber die Mitarbeiter verlieren trotzdem ihre Jobs.

Die Unsicherheit, die sich daraus für alle Arbeitnehmer in Deutschland ergibt, greift das Fundament der marktwirtschaftlichen Grundordnung an. Denn die birgt das Versprechen: "Wer sich anstrengt, wird belohnt." Das stimmt offensichtlich nicht mehr.


Das sind wahre Worte derzeit, oder?
Nichts hasst der im Denken geschulte mehr als die Negation der Logik.
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harley
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Beitragvon harley » 11.12.2012, 08:18

smilie_01
mittlerweile weit über 50 positive Forumsbewertungen
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Monaldi
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Beitragvon Monaldi » 11.12.2012, 08:32

Irgendwie wahre worte ...
"Je mehr Vergnügen du an deiner Arbeit hast, um so besser wird sie bezahlt."

-Mark Twain-

Bockwurstmoped
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Beitragvon Bockwurstmoped » 11.12.2012, 08:40

"Wer sich anstrengt, wird belohnt."

Ich habe diese Redewendung immer darauf bezogen, dass Leute Arbeiten und Ihnen hiervon immer weniger zum Leben übrig bleibt. Gemeint sind hier unter anderem die ehemaligen 13.000 Schlecker Mitarbeiter/innen, die Kette war ja vorher durch die Erneuerung alter Arbeitsverträge in neuen "Tochterfirmen" in Verruf gekommen. Naja nun sind die meissten Arbeitslos....viele sind wohl wieder im Einzelhandel unter gekommen.

Die Schließung solcher Betriebe hat aus meiner sicht was mit der Globalisierung zu Tun, nun ja, dass muss der Aussage des Artikels nicht unbedingt wiedersprechen. Ach ich weiß auch nicht, ist auf jeden Fall ein ganz großer Mist für alle betroffenen. Man ist inzwischen ja nur froh wenn es einen selber nicht erwischt.

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jogyli
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Beitragvon jogyli » 11.12.2012, 08:41

Die Worte sind erschreckend wahr und leider schon etabliert.
Schlechte Arbeit für kleinen Lohn hat sich durchgesetzt, Beschwerden können bei ausgelagerten Call-Center formuliert werden, wo ebenfalls wieder schlecht bezahlte Leute sich das anhören dürfen.

Verkehrte Welt.

snoerch

Re: Lohnt sich Leistung in D nicht mehr?

Beitragvon snoerch » 11.12.2012, 08:41

999.9 hat geschrieben:Die Financial Times Deutschland postet heute auf ihrer Facebook-Seite:

Die Rheinische Post schreibt zum Opel-Aus in Bochum:

Es gibt ein unheimliches Band, das die Bochumer Opelaner mit einer wachsenden Zahl von Belegschaften in Deutschland verbindet: mit den 13.000 Schlecker-Mitarbeitern etwa, die ihren Job verloren haben. Oder mit den Redakteuren der Financial Times Deutschland, die am Freitag letztmalig erschienen ist. Oder mit den Belegschaften von ThyssenKrupp und Lufthansa, die sich im kommenden Jahr auf Kündigungen gefasst machen müssen. Was all diese gebeutelten Belegschaften verbindet: Die Qualität ihrer Arbeit steht außer Frage, ist teilweise sogar Weltspitze. Aber die Mitarbeiter verlieren trotzdem ihre Jobs.

Die Unsicherheit, die sich daraus für alle Arbeitnehmer in Deutschland ergibt, greift das Fundament der marktwirtschaftlichen Grundordnung an. Denn die birgt das Versprechen: "Wer sich anstrengt, wird belohnt." Das stimmt offensichtlich nicht mehr.


Das sind wahre Worte derzeit, oder?


Traurig, aber wahr. Es geht nur noch um Maximierung des Gewinns, da ist qualitativ hochwertige Arbeit nun mal zweitrangig.
Teilweise sind die Unternehmen aber auch selbst schuld. Zumindest in der Elektrofertigung kann ich das beurteilen:
Da werden immer die billigsten Komponenten gekauft, aber Qualität versprochen.
Nur der Preis entscheidet beim Einkauf, und nichts Anderes. Das ist bei fast allen Unternehmen so, die ich kennengelernt habe. Dagegen spricht ja erst einmal nichts, aber:
Wenn ein Unternehmen eine solche Stragie fährt, darf es sich aber auch nicht wundern, Opfer derselben zu werden.
Als Gewerkschafter tut es mir wirklich leid, das sagen zu müssen, aber wir brauchen wirklich wieder ein paar Fachleute in den Entscheidungsgremien, und nicht nur BWLer.

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SebCoe
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Beitragvon SebCoe » 11.12.2012, 08:46

Was ist denn überhaupt mit "Anstrengen" gemeint?

Gehört dazu nicht auch die Bereitschaft, neue Fähigkeiten zu erwerben, wenn in bestimmten Branchen die Beschäftigung zurückgeht? Ich frage das einfach so ohne Hintegedabken.

Andererseits ist das mit dem Anstrengen natürlich Quark, wenn die Konjunktur einbricht. Es gibt keine Garantie auf Arbeit. Alles andere wäre Sozialismus oder schlimmer.

Schwieriges Thema. Denn es zeigt mal wieder, das die Wirtschaft zum wachsen verdammt ist.

Bei der Globalisierung darf man nicht vergessen, dass Deutschland davon massiv profitiert. Deutsche Autobauer, chemische Industrie und Maschienbau verkaufen wie blöd auf der Welt.

snoerch

Beitragvon snoerch » 11.12.2012, 09:03

SebCoe hat geschrieben:Bei der Globalisierung darf man nicht vergessen, dass Deutschland davon massiv profitiert.


Deutsche Firmen profitieren auf den ersten Blick vielleicht, aber "Deutschland" als Gesellschaft?
Ich weiss nicht.
Andererseits hat die Versorgung durch Konsumgueter wohl einen so hohen Standard erreicht wie noch nie.
Wenn man also das als Masstab nimmt, duerfte es wohl stimmen.

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Querulant
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Beitragvon Querulant » 11.12.2012, 09:16

Man ist inzwischen ja nur froh wenn es einen selber nicht erwischt.

Das hat auch alles irgendwie "Methode". Wer Angst hat, muckt nicht auf und ist mit Hungerlöhnen zufrieden.

... Es geht nur noch um Maximierung des Gewinns, da ist qualitativ hochwertige Arbeit nun mal zweitrangig....

...Denn es zeigt mal wieder, das die Wirtschaft zum wachsen verdammt ist.

So ist es leider und das ist meines Erchtens u.a. mit eine Ursache, weshalb das "Fußvolk" gefügig gehalten und "Angst" erzeugt werden muss.

Bei der Globalisierung darf man nicht vergessen, dass Deutschland davon massiv profitiert. Deutsche Autobauer, chemische Industrie und Maschienbau verkaufen wie blöd auf der Welt.

Da stellt sich die Frage, wer ist Deutschland? ... Die Unternehmen oder das Volk?
Wenn man sieht, wer etwas davon hat, könnte man glauben, Deutschland hat und braucht kein Volk smilie_04

PS:
snoerch war schneller ;)
Lieber arm dran als Bein ab :)

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Beitragvon 999.9 » 11.12.2012, 09:38

Den Punkt mit der ständig geschürten Angst vor Terror, Bedrohungen usw. sehe ich genau so. Ein eingeschüchtertes Volk hält die Klappe und gibt sich ohne zu Murren mit deutlich weniger zufrieden.

Konnte man gestern in den Nachrichten sehen, als "die EU" den Friedensnobelpreis bekam. Was für eine Selbstbeweihräucherungszeremonie! Die einzige, die sich nicht selbst beklatscht hat war bezeichnenderweise Merkel, die nämlich weiß, dass die EU kurz vor dem Zerreissen ist.
Die sozialen Spannungen nehmen zu, Löhne bleiben gleich bzw. sinken real durch die gestiegen Inflation oder die Arbeitsplatze fallen direkt ganz weg. Gleichzeitig fahren die meisten Konzerne gute Gewinne ein, gerade erst wurde gemeldet, dass Deutschlands Exporte und Importe gestiegen sind, inmitten der ominösen Krise versteht sich.

Vielleicht muss die Frage einfach anders lauten, denn für Manager lohnt sich Leistung ja und zwar exorbitant, während die Belegschaft mit gestrichenem 13. Gehalt und gestrichenem Weihnachtsgeld klarkommen muss, in einigen Betrieben bereits seit vielen Jahren. Ist gute Arbeit uns zu wenig wert? Mit uns sind auch wir Verbaucher angesprochen, die lieber bei amazon den Artikel kaufen und nicht etwas mehr ausgeben und den lokalen Einzelhändler aufsuchen. Und muss die Politik die Firmen evtl. zwingen, dass sie Produkte eben nicht in Billigstlohnländer herstellen lässt und könnte man das nicht auf EU-Ebene durchsetzen? So wären doch europäische Arbeitsplätze gesichert, oder wären dann die Produkte so teuer, dass man sie nicht mehr verkaufen könnte? Das nicht, aber der Profit wäre geschmälert und das würde kein Textilkonzern hinnehmen und die starke Bekleidungslobby auch nicht. Es ist ein Teufelskreis.

Oder gibt es noch andere Vorschläge?
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Beitragvon SebCoe » 11.12.2012, 09:45

Wir leben in Deutschland bzw. Europa auf keiner Insel. Es kann nur eine globale "Lösung" geben, die ich aber nicht kommen sehe.

Wenn ich mir einen Hyundai oder Kia kaufe, sichere ich damit Arbeitsplätze in Asien. Und der aisatische Arbeiter kauft sich dann vielleicht einen VW oder BMW oder Mercedes und Klamotten von Adidas.

An der Globalisierung führt kein Weg vorbei. Sie sichert viele relativ gut bezahlte Jobs in der deutschen Automobil- und Maschinenbaubranche inkl. Zulieferer. Man kann nicht sagen, dass das alles schlecht bezahlte Jobs sind. Aber sie müssen auch konkurenzfähig bleiben, sonst passiert das gleiche wie jetzt in Frankreich.

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Querulant
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Beitragvon Querulant » 11.12.2012, 09:47

@999.9 smilie_01 (für den gesamten Beitrag)

Du hast völlig Recht, es ist ein einziger Teufelskreis.
Für mich, da ich an Gott glaube, steckt im wahrsten Sinne des Wortes Satan dahinter ;)
Der Teufel steckt im Detail (in jedem Detail) ... der Finanzlobby :twisted:

Und auch hier beißt sich die Katze in den Schwanz:
Ist gute Arbeit uns zu wenig wert? Mit uns sind auch wir Verbaucher angesprochen, die lieber bei amazon den Artikel kaufen und nicht etwas mehr ausgeben und den lokalen Einzelhändler aufsuchen

Wovon soll der Billiglöhner "fair einkaufen"?
Lieber arm dran als Bein ab :)

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Beitragvon 999.9 » 11.12.2012, 09:52

Globalisierung ist ein Kunstwort welches von amerikanischen Think-Tanks Ende der 80er erfunden wurde, um einen internationalen (Raubtier-)Kapitalismus umsetzen zu können, an dem amerikanische Groß-Konzerne wie Procter & Gamble, Microsoft usw. am meisten profitieren können. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde dieser Masterplan dann kontinuierlich und nahezu ruinös für die "betroffenen" Länder auch umgesetzt.

Das "lustige" ist, dass man wegen der "Globalisierung" bequem die Löhne drücken kann, Entlassungen begründen kann usw. Perfekt für die Bosse, mehr als schlecht für die Belegschaft.

Cui bono?

:roll:
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AgCluster
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Beitragvon AgCluster » 11.12.2012, 09:55

An den Finanzmärkten lässt sich eben mir Geld verdienen als in der Realwirtschaft. Wer schlicht und einfach in den letzten Jahren Gold gekauft hat, hat mehr Rendite erzielt, als die meisten Firmen erwirtschaften können. Wenn man die "sozialistische" Theorie von Keynes zu rate zieht, wird sich diese Situation weiter verschärfen. Jemand der arbeiten will, muss eigenes Geld mitbringen!

Wir sehen auch bei uns, dass wir langsam aber sicher in Richtung Griechenland marschieren, nur auf der Zeitachse liegt die deutsche Wirtschaft ein paar Jahre zurück. Großbritannien ist diesbezüglich schon viel weiter.
The euro zone has the power to defeat market speculations.

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SebCoe
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Beitragvon SebCoe » 11.12.2012, 10:01

999.9 hat geschrieben:
Cui bono?


Auch zum Vorteil der stark auf Industrie und Qualitätsprodukte ausgerichteten deutschen Unternehmen. Ohne starke Unternehmen gibt es keine Arbeitsplätze, siehe Grichenland und andere.

Lieber ein mäßiges Lohnniveau als Massenarbeitslosigkeit und Verelendung.

Wir haben 2008/2009 gesehen, wie schnell und massiv die deutsche Wirtschaft einbricht, wenn der Welthandel stockt :shock:


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