Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Allgemeine Diskussionen zu Silber, Gold und Edelmetallen, sowie die Entwicklung des Gold- und Silberkurs.

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Brakteat
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von Brakteat »

Ich habe endlich eine etwas systematischere Quelle für die Reichstagssitzungen gefunden: Die Reichstagsprotokolle. Da klappt die Suche auch besser.

Am 1. Mai 1908 fasst der Abgeordnete Raab die Lage noch mal ganz gut zusammen.
https://www.reichstagsprotokolle.de/Bla ... 00655.html

Der erste Reichstagsbeschluss zur Ausprägung eines Dreimarkstücks 1904 scheiterte an der Reichsregierung und am Reichsschatzamt. Nachfolgend gab man Umfragen in Auftrag. Handwerk und Landwirtschaft äußern sich demnach PRO Dreimarkstück. Anschließend fasst der Abgeordnete Raab Umfragen bei Handelskammern und Banken zusammen. Die Kundschaft wollte demnach eine Dreimarkmünze. Banken und Handelskammern kommen dann aber trotzdem zu dem Resumee, dass sie den Bedarf für ein Dreimarkstück nicht erkennen können - vermutlich, weil sie es einfach nicht wünschten.

Er fasst zusammen: "Für mich steht es auch fest: Wenn wir den Silberumlauf in Deutschland von 15 auf 20 Mark [Silbermünzen pro Kopf] bringen wollen - mit dem klotzigen Fünfmarkstück wird das kaum gelingen. Geben wir aber dem Verkehr wieder die Dreimarkmünze, dann wird es nicht schwer fallen, den Silberumlauf zum Schutze unserer Goldmünzen zu erhöhen. Das halte ich auch für besser als das, was vielfach von liberaler Seite gewünscht wird: Den Verkehr mit Papierschitzeln vollzustopfen. (Heiterkeit.)"

Zuvor hat Raab auch noch mal zusammengefasst, wie langwierig und ergebnislos die Versuche waren, das Fünfmarksück zu verändern: Eine andere Legierung mit noch weniger Kupfer war nicht möglich, ein Goldzusatz hätte die Goldvorräte zu stark belastet, und ein geringerer Umfang hätte die Münze zu dick werden lassen. Am Ende ist das Fünfmarkstück geblieben wie es war - groß, unpraktisch und unbeliebt.

Die weitere Auswertung der Reichstagsprotokolle folgt. Wie gesagt: Ich hinterlasse das alles hier vor allem, damit ich auch selber immer schnellen Zugriff habe. ;)
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Brakteat
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von Brakteat »

Hallo. Vor Jahren habe ich diesen Thread eröffnet und mich interessieren solche Themen immer noch. Ich habe mich da an einem eigenen Video in mehreren Teilen versucht, das ich in meinem Telegram-Kanal veröffentlicht habe. Ich überlege, ob ich künftig öfter mal so ein Video mache, wenn ich das Gefühl habe, etwas Interessantes erzählen zu können. In dem ersten Video geht es darum, warum die D-Mark, also das Eine-Mark-Stück seinerzeit genau so groß war wie das Fünf-Pence-Stück in GB. Wer mag, kann sich das ja mal anschauen und mir hier ein Feedback geben.

https://t.me/MuenzenGeldGeschichte
Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.
san agustin
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Re: Geschichte und Geschichten über Geld und Münzen

Beitrag von san agustin »

smilie_14 smilie_12

Mach da bitte weiter und bleib dran smilie_09

Ich finde das total spannend mit den Silber Markstuecken.
Endlich mal wieder eine neue Spielweise im Münzleben
Mit interessanten Hintergrund Infos

Hatte kürzlich mir etwas an Ludwig II Silbermünzen ersteigert. Ich stelle das die Tage mal rein
smilie_38
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Brakteat
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Re: Geschichte und Geschichten über Geld und Münzen

Beitrag von Brakteat »

Danke, freut mich smilie_01 Ich plane gerade schon das nächste Thema. :wink:
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Brakteat
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Re: Geschichte und Geschichten über Geld und Münzen

Beitrag von Brakteat »

Bei den aktuellen Silberkursen finde ich wieder mal interessant, wie sich die Kaufkraft der Mark und anderer Währungen bis 1914 heute darstellt. Es gab weiter oben schon mal einen längeren Austausch darüber, aber das ist ja jetzt schon ein paar Jahre her.

An diesem Wochenende ist das Silbermarkstück mit seinen fünf Gramm Silber 6,71 Euro wert, also global gerechnet etwa sechs bis sieben Euro. Ich habe die Kaufkraft der Mark um 1900 immer auf heute etwa 10 Euro geschätzt. Diesem Wert nähern wir uns auch materiell immer mehr. Andererseits verliert natürlich auch die Kaufkraft des Euro weiter. Das hat zur Folge, dass die Kaufkraft der Mark vielleicht eher bei 15 Euro anzusiedeln ist, würde ich sagen.

Vor dem Hintergrund finde ich spannend, wie kaufkräftig damals das Kleingeld war. Schätzen wir mal die Mark der Anschaulichkeit halber weiter auf 10 Euro Kaufkraft, dann hatte der Groschen damals eine Kaufkraft von einem Euro und der Pfennig lag bei vielleicht 10 Cent. Und darunter gab es kein weiteres Kleingeld. Das ist so, als würde unser Kleingeld erst mit dem Zehn-Cent-Stück anfangen. Eigentlich dürften wir uns gar nicht beschweren, wenn man die Einer, Zweier und Fünf-Cent-Stücke abschaffen würde. Aber der Handel will natürlich bei seinen 19,99-er Beträgen bleiben können, ist schon klar...

Nach England geschaut, erschließt sich dann auch, warum die damalige Penny-Münze so riesig war. Die hatte richtig Kaufkraft. Wenn man die Mark damals mit dem Shilling gleichsetzt (was vom Silbergehalt in etwa passt), dann war der Penny vergleichbar mit dem Groschen. Das Duodezimalsystem lass ich mal außen vor (Penny = 1/12 Shilling, Groschen = 1/10 Mark), es sind ja beides Scheidemünzen. Somit hatte der Penny damals eine Kaufkraft von heute einem Euro - mindestens. Oder in GB wäre es die heutige Kaufkraft eines Pfundes.
photo_2025-10-25_12-02-14.jpg
Ich bin vor einiger Zeit mal auf die alten Pennymünzen gestoßen und war wirklich fasziniert: richtig schöne große Münzen aus schönster Bronze. Hab seitdem einige in meiner Nostalgie-Schatulle.

Das sind nur so Gedanken, ohne dass ich eine Frage in die Runde habe. Aber vielleicht stößt das Thema ja auf Interesse. smilie_24
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WhiteWarrior
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Re: Geschichte und Geschichten über Geld und Münzen

Beitrag von WhiteWarrior »

Im Deutschen Kaiserreich (1871 - 1918) waren ja auch die halbe Mark Stücke bis hoch zum 5 Mark Stück aus 90% Silber. Die 50 Pfennig-Stücke im Kaiserreich waren also Silbergeld bis hoch zum 5 Mark Stück und das in 900 Legierung.

Das gab es danach nie mehr in der Deutschen Geschichte. Bei den Nazis waren die 2 Mark 625 und die 5 Mark 900.

In der BRD nur die 5 Mark (Heiermann) aus 625.

Von den Gedenkern in DM und Euro mal abgesehen, die ja nicht richtiges Umlaufgeld waren.

Das Kaiserreich hatte ja auch den Goldstandard mit den legendären 20 Reichs-Goldmark. Nie in der deutschen Geschichte gab es so einen Aufschwung wie im Deutschen Kaiserreich bis 1914. Das lag auch am Geldsystem.

20 Goldmark kosten heute 820 Euro.
Ein Volk das keine Waffen tragen möchte, wird Ketten tragen.
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Brakteat
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von Brakteat »

foxele hat geschrieben: 06.01.2026, 17:57
Brakteat hat geschrieben: 06.01.2026, 16:10
foxele hat geschrieben: 06.01.2026, 14:36

Wobei die Kaufkraft der Silbermark damals deutlich über heutigen 10 Euro lag.

Ich hatte mir in diesem Faden mal darüber Gedanken gemacht. Ich fand 10 Euro für 1 Mark Silber als groben Richtwert ganz praktisch. Ich glaube mit Bezug auf den Brotpreis käme das auch in etwa hin. Man wird die Kaufkraft nie exakt vergleichen können, weil die Warenkörbe und das Kaufverhalten sehr unterschdiedlich sind. Aber wenn du deinen geschätzten Kaufkraftwert für 1 M um 1900 erläutern kannst, würde es mich interessieren. Gern auch im oben genannten Faden.
Was die Kaufkraft angeht, muss man auch die Verdienste berücksichtigen z.B.

Stundenlöhne (Beispiel Nürnberg, ca. 1904):
Ungelernte Frauen: 18 Pfennig/Stunde.
Ungelernte Männer: 29 Pfennig/Stunde.
Gelernte Männer: 42 Pfennig/Stunde.
Ich führe das Thema mal in diesem Faden weiter, im Silberkurs-Faden stört es etwas.

Ja, die Klassen-Unterschiede beim Verdienst sind schon krass. Wenn ich hier mal meine Faustregel für die Kaufkraft anwende (nur mal als Modellrechnung), dann wären 18 Pfennig pro Stunde heute 1,80 Euro Stundenlohn. Gelernte Mäner bekämen dann 4,20 Euro.

Wenn wir den Mindestlohn nicht hätten, so wie es ihn damals auch nicht gab, wären wir heute vielleicht bei acht, neun Euro. Vielleicht weniger. Oder aber ich muss eine höhere Kaufkraft ansetzen, so wie du sagst, vielleicht 1:20, also eine Mark Silber wären dann kaufkraftmäßig wie 20 Euro. Dann entsprächen 42 Pf. für einen gelernten Mann etwa achteinhalb Euro Stundenlohn. Kommt vielleicht hin, wenn man die Sozialstandards der jeweiligen Epoche berücksichtigt.

Die Bundesbank errechnet den Kaufkraftvergleich offenbar rein statistisch aufgrund von Warenpreisen, unabhängig, wer sich die Waren zur jeweiligen Zeit überhaupt leisten konnte. Die Buba kommt dabei aktuell auf eine Kaufkraft von 8,30 Euro für eine Mark um 1900. (s. Vergleichstabelle hier) Das dürfte mit Sicherheit zu wenig sein, um den Wert des damaligen Geldes im Alltag zu ermessen. Interessant ist die Tabelle trotzdem: Allein seit 2020 hat der Euro innerhalb von fünf Jahren 19 Cent Kaufkraft verloren. In den fünf Jahren davor seit 2015 lag der Verlust nur bei sieben Cent. Und der Vergleich zur D-Mark: 1990 hatte 1DM die Kaufkraft wie heute 1€. Da würde ich nach meiner Erinnerung auch in etwa mitgehen.
Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.
foxele
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von foxele »

So sieht es aus.
1904 musste ein gelernter Arbeiter ca. 2,5 Stunden für eine Silbermark arbeiten.
Dann setze mal den gleichwertigen heutigen Stundenlohn x 2,5 an. smilie_01

Da kann man die Statistiken wieder vernachlässigen.
Hannoveraner
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von Hannoveraner »

Brakteat hat geschrieben: 08.01.2026, 11:41
foxele hat geschrieben: 06.01.2026, 17:57
Brakteat hat geschrieben: 06.01.2026, 16:10

Ich hatte mir in diesem Faden mal darüber Gedanken gemacht. Ich fand 10 Euro für 1 Mark Silber als groben Richtwert ganz praktisch. Ich glaube mit Bezug auf den Brotpreis käme das auch in etwa hin. Man wird die Kaufkraft nie exakt vergleichen können, weil die Warenkörbe und das Kaufverhalten sehr unterschdiedlich sind. Aber wenn du deinen geschätzten Kaufkraftwert für 1 M um 1900 erläutern kannst, würde es mich interessieren. Gern auch im oben genannten Faden.
Was die Kaufkraft angeht, muss man auch die Verdienste berücksichtigen z.B.

Stundenlöhne (Beispiel Nürnberg, ca. 1904):
Ungelernte Frauen: 18 Pfennig/Stunde.
Ungelernte Männer: 29 Pfennig/Stunde.
Gelernte Männer: 42 Pfennig/Stunde.
Ich führe das Thema mal in diesem Faden weiter, im Silberkurs-Faden stört es etwas.

Ja, die Klassen-Unterschiede beim Verdienst sind schon krass. Wenn ich hier mal meine Faustregel für die Kaufkraft anwende (nur mal als Modellrechnung), dann wären 18 Pfennig pro Stunde heute 1,80 Euro Stundenlohn. Gelernte Mäner bekämen dann 4,20 Euro.

Wenn wir den Mindestlohn nicht hätten, so wie es ihn damals auch nicht gab, wären wir heute vielleicht bei acht, neun Euro. Vielleicht weniger. Oder aber ich muss eine höhere Kaufkraft ansetzen, so wie du sagst, vielleicht 1:20, also eine Mark Silber wären dann kaufkraftmäßig wie 20 Euro. Dann entsprächen 42 Pf. für einen gelernten Mann etwa achteinhalb Euro Stundenlohn. Kommt vielleicht hin, wenn man die Sozialstandards der jeweiligen Epoche berücksichtigt.

Die Bundesbank errechnet den Kaufkraftvergleich offenbar rein statistisch aufgrund von Warenpreisen, unabhängig, wer sich die Waren zur jeweiligen Zeit überhaupt leisten konnte. Die Buba kommt dabei aktuell auf eine Kaufkraft von 8,30 Euro für eine Mark um 1900. (s. Vergleichstabelle hier) Das dürfte mit Sicherheit zu wenig sein, um den Wert des damaligen Geldes im Alltag zu ermessen. Interessant ist die Tabelle trotzdem: Allein seit 2020 hat der Euro innerhalb von fünf Jahren 19 Cent Kaufkraft verloren. In den fünf Jahren davor seit 2015 lag der Verlust nur bei sieben Cent. Und der Vergleich zur D-Mark: 1990 hatte 1DM die Kaufkraft wie heute 1€. Da würde ich nach meiner Erinnerung auch in etwa mitgehen.
Daran sieht man auf welch hohem Niveau wir in den letzten Jahrzehnten leben konnten.

Leider denken zu viele das dieses selbstverständlich ist.
Bei den Vergleichen der Verdienste muss man auch die Abgaben gegenhalten. Diese steigen auch rasant an.
poing
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von poing »

Wobei der 8h-Arbeitstag erst im 1. Weltkrieg von den Bergleuten durchgesetzt werden konnte.

Lehrer durften sich im Steinbruch etwas dazu verdienen, weil das Gehalt zu knapp war. (Durften nicht als Ironie gemeint, sondern als wertvolle Erlaubnis, Geld zu verdienen).
Und die Bergmannskuh (Ziege) stand als 'Nebenerwerb' im Hof.

Vielleicht wäre es deshalb interessant, auf den Jahreslohn und die Jahrsesarbeitszeit abzuziehlen und die ganzen Zahlungen der Sozialsysteme zu berücksichtigen ( Krankenversicherung, Kindergeld, Lohnfortzahlung, Rentenansprüche usw.) und auch die Urlaubszeiten.
Ich weiß nicht, wie teuer damals Schule war oder gar Kindergarten (haha), wie der Wehrdienst zu beachten ist usw.

Von Qualität der Wohnungen, staatl. Einrichtungen usw. gar nicht zu reden. Glaube nicht, dass man 1905 am WE innerhalb von 50min im Wartezimmer eines Notdienstes sitzen konnte, wenn es gesundheitliche Probleme gab usw.

Der reine Stundenlohn greift da zu kurz, denke ich.
Hannoveraner
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von Hannoveraner »

poing hat geschrieben: 08.01.2026, 14:24 Wobei der 8h-Arbeitstag erst im 1. Weltkrieg von den Bergleuten durchgesetzt werden konnte.

Lehrer durften sich im Steinbruch etwas dazu verdienen, weil das Gehalt zu knapp war. (Durften nicht als Ironie gemeint, sondern als wertvolle Erlaubnis, Geld zu verdienen).
Und die Bergmannskuh (Ziege) stand als 'Nebenerwerb' im Hof.

Vielleicht wäre es deshalb interessant, auf den Jahreslohn und die Jahrsesarbeitszeit abzuziehlen und die ganzen Zahlungen der Sozialsysteme zu berücksichtigen ( Krankenversicherung, Kindergeld, Lohnfortzahlung, Rentenansprüche usw.) und auch die Urlaubszeiten.
Ich weiß nicht, wie teuer damals Schule war oder gar Kindergarten (haha), wie der Wehrdienst zu beachten ist usw.

Von Qualität der Wohnungen, staatl. Einrichtungen usw. gar nicht zu reden. Glaube nicht, dass man 1905 am WE innerhalb von 50min im Wartezimmer eines Notdienstes sitzen konnte, wenn es gesundheitliche Probleme gab usw.

Der reine Stundenlohn greift da zu kurz, denke ich.
Heute lebt ein Bürgergeld Empfänger in Summe betrachtet besser als ein Bergarbeiter damals.
Von daher verstehe ich solche Diskussionen nicht
Rhenanus
1 kg Barren Mitglied
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Re: Historisches zur Mark-Währung (1871-1918)

Beitrag von Rhenanus »

Da greift nicht nur der Stundenlohn zu kurz! Man kann sich für die historischen Verhältnisse interessieren und auch, wenn die Statistik er hergibt, herausfinden, was eine Kuh, Butter, Brot oder Eier zu bestimmten Zeiten kosteten, aber man sollte nicht versuchen, das mit Bezug auf heutige Verhältnisse zu übertragen.

Das Einkommen der Erwachsenen oder Kleinfamilien oder gar Singles spielt heute eine ganz andere Rolle, da eine völlig veränderte Sozialstruktur und Lebensweise andere Dinge in den Vordergrund rücken. Die große Kinderzahl, die Frau als Hausfrau und Mutter, eine große Familie mit Kindern, Eltern, Großeltern sowie teilweise alleinstehenden Onkeln und Tanten, die alle in einem Haushalt lebten, würden heute mindestens 3-6 (oder mehr) Wohnungen beanspruchen. Auto oder generell Mobilität: so gut wie nicht gegeben, nötig, erschwinglich. In der Kaiserzeit produzierte Opel zuerst Nähmaschinen, dann Fahrräder, bevor es mit dem Automobil für eine kleine finanzstarke Gruppe losging.
Energie und Heizung: Wozu brauchte der Normalbürger Strom außer für Licht und wenige elektrische Geräte? Geheizt wurde mit Holz, Kohle / Brikett, Torf. Warmwasserheizungen mit Gas standen hier und da für öffentliche Gebäude zur Verfügung, erst in den 50-60er Jahren breiten sich Ölöfen aus. Telefon, Internet u.a. moderne Errungenschaften kosteten die Normalfamilie auch nichts. Was von Interesse war: Lebensmittel, um nicht zu verhungern!

Wie lange muss heute jemand für ein Brot arbeiten? Mit Brutto-Mindestlohn für ein teures (Qualitäts-)Brot (5-6 Euro für 500-700 g) fast eine halbe Stunde, für ein Pfund Brot vom Discounter (unter 1 Euro) ca. 5 Minuten - nach dem Jahreswechsel gilt schon wieder ein höherer Mindestlohn. Und wenn ein Handwerker kommt, darf der Mensch mit Mindestlohn fast einen ganzen Tag für die Handwerkerstunde arbeiten - da war das Verhältnis früher sicher ein anderes.
Früher gab es bei einem viel geringeren Angebot eher Vergleichspreise etwa für einen Anzug, den den örtliche Schneider herstellte. Und heute: Maßanzug (je nach Stoff und Ausführung einige Tausend Euro) gegen Massenprodukt von der Stange (unter 100 Euro). Natürlich passt dann der Hinweis; früher bekam man für einen Goldunze einen Anzug, heute auch noch (sogar einen Maßanzug)- nach dem Preis des Anzugs von der Stange sogar ganz viele.

Na dann: fröhliches Umrechnen! Man sollte es rein bei den Informationen belassen!
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